Julius von Soden

Was verbindet Düsseldorf mit Kamerun?

Julius von Soden (1846-1921) war der erste Gouverneur der deutschen Kolonie Kamerun (1885-1890). Seit 1936 ist in Düsseldorf eine Straße nach ihm benannt.


Freiherr Julius von Soden (1846-1921) war der erste Gouverneur der deutschen Kolonie Kamerun und gleichzeitig Oberkommissar von Togo (1885-1891). Nachdem in Ostafrika der Krieg der Küstenbevölkerung durch Hermann von Wissmann und seiner Truppe zugunsten Deutschlands ausging, wurde Julius von Soden aus Kamerun abberufen und in Deutsch-Ostafrika der erste Gouverneur.

Die Stadt Düsseldorf hatte 1936 ein zusammenhängendes Kolonialviertel für die Mustersiedlung im Rahmen der NS-Ausstellung „Schaffendes Volk“ vorgesehen, deren Namen durchgängig die frühen deutschen „Kolonialpioniere“ ehrten (Soden, Lüderitz, Peters, Leutwein, Solf, MeyerWaldeck, Woermann, Trotha). Die Versetzung der Kolonialstraßen in das neu erschlossene, am Rande Düsseldorfs gelegene Urdenbach 1937 zeigen, dass sich die Bedeutung der kolonialen Erinnerung in Düsseldorf zu Gunsten einer klarer nationalsozialistisch geprägten Erinnerungskultur verschob. Dennoch war Düsseldorf in der NS-Zeit im Rheinland die Stadt, die am aktivsten der Kolonien erinnerte. Hierfür steht auch die Neuaufstellung des Kolonialkriegerdenkmals am Frankenplatz 1935. Die Trothastraße und die MeyerWaldeck-Straße wurden 1945 und 1947 umbenannt. 1952 kam am Urdenbacher Acker die Finschstraße hinzu, die an einen in Neuguinea aktiven Deutschen erinnert.
Julius von Soden arbeitete 1888-1891 eng mit Eugen Zintgraff zusammen, der während seiner Amtszeit im Auftrag des Auswärtigen Amtes die Gebiete im Inland erkunden sollte.

1884 war die deutsche Präsenz nur an einigen Punkten der kamerunischen Küste, besonders in Duala, möglich. 1888 sandte King Bell aus Duala, der 1884 den Vertrag mit den Deutschen unterschrieben hatte, eine Beschwerde über das Verhalten des Gouverneurs von Soden an Fürst Bismarck und den deutschen Reichstag. Soden hatte sich wiederholt abfällig und rassistisch über die Kameruner geäußert.

Soden wurde später Anteilseigner und Aufsichtsratsmitglied in der 1895 gegründeten Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria (WAPV), die am Kamerunberg ausgedehnte Plantagen unterhielt und in deren Auftrag Gustav Conrau 1898 Arbeiter in Fontem anwarb.
Eugen Zintgraff und andere Investoren, darunter viele aus dem Rheinland, waren die treibende Kraft in der Errichtung der Plantagen. Von Soden übernahm 1897 kurzfristig Zintgraffs Arbeiten nach dessen Tod.

Obwohl es in Urdenbach eine Auseinandersetzung um die kolonialen Straßennamen gibt, verbinden die Einwohner den Namen Soden nicht mit Kamerun und deutschen Kolonien. Für kamerunische Besucher ergibt sich der Zusammenhang leichter, denn Sodens Name findet sich in vielen kamerunischen Geschichtsbüchern.

Stefanie Michels

King Bell an Reichskanzler Bismarck (PDF)
Nord Kamerun (PDF)
A History of the Cameroon (PDF)

Sodenstraße und Kamerun. Interview, Urdenbacher Acker, Düsseldorf, Juni 2016

Ein Passant in der Sodenstraße. Interview, Sodenstraße, Urdenbach, Düsseldorf, 13.06.2016