Deutschland und Kamerun sind durch die geteilte koloniale Geschichte bis heute in besonderer Weise miteinander verbunden. Aber während die dreißigjährige koloniale Präsenz Deutschlands in Kamerun nicht in Vergessenheit geriet, ist sie dagegen in Deutschland kaum bekannt.

Um nach den Spuren dieser gemeinsamen Geschichte zu suchen, begann 2015 zwischen dem Institut für Geschichtswissenschaften der Heinrich-Heine-Universität und dem Département des Langues Etrangères Appliquées Universität Dschang eine von der Alexander von Humboldt-Stiftung geförderte dreijährige Institutspartnerschaft. Lehrende beider Universitäten haben mit ihren Studierenden aus den Fächern Geschichtswissenschaften, Medien- und Kulturwissenschaft und Germanistik geforscht.

Diese Webseite präsentiert die Ergebnisse dieser Forschung als polyphones Mosaik. Aufgezeigt werden die verschiedenen Perspektiven auf Geschichte(n). An Stelle einer allwissenden Erzählweise und einer normativen Deutung, stellt die Webseite eine ungeordnete Vielfalt bereit. Sie bleibt bewusst ausschnitthaft, ermöglicht aber ein Navigieren zwischen medialen Genres, wie archivalischem Schriftstück, oraler Geschichte, Literatur oder Fotografie. Die Fußnoten der historiografischen Literatur können hier erfahren werden – eine offene Kartierung wissenschaftlichen Arbeitens.

Die Quellen der oralen Geschichte werden in Form von Ton- und Filmaufnahmen präsentiert. Diese Aufnahmen haben Studierende der Heinrich-Heine-Universität mit Lehrenden beider Universitäten im Jahr 2016 zunächst in Düsseldorf und schließlich während einer gemeinsamen Exkursion in Dschang unter Beteiligung der Germanistik-Studierenden der Universität in Dschang gesammelt und ausgewertet. Sie interviewten in Düsseldorf und in Dschang und Umgebung verschiedene Personen zu den Verbindungen zwischen den beiden Orten und zu ihrer Erinnerung an die deutsche Kolonialzeit. Die Beiträge zeigen durch das symmetrische Forschungsdesign dennoch stark asymmetrische Erinnerungen auf beiden Seiten. In Düsseldorf existierte kaum Wissen über die deutsch-kamerunische Geschichte. In Dschang und Umgebung hingegen waren die deutschen Wurzeln vieler Dinge und Ereignisse sehr lebendig.


Quantitative Auswertung im PDF Format


Als vertiefendes Material wurde zu den jeweiligen Orten Archivalien und Literatur hinzugefügt, das es ermöglicht, fragmentarische Geschichten zusammenzuführen. In der Gegenüberstellung entstehen grenzüberschreitende Geschichten und einige Leerstellen werden somit sichtbar. Der Fokus auf Regionen in ihrer globalen Dimension ermöglicht ein gleichzeitiges Unter- und Überschreiten der üblichen nationalen Sichtweise auf Geschichte. Das Rheinland (Deutschland) und das Grasland (Kamerun) stehen in einem jeweils besonderen Verhältnis zu den Nationalstaaten. Die jeweiligen Weltbeziehungen der Regionen waren teilweise Argumente gegen ihre national-staatliche Einbindung.

Die Webseite startet mit je sechs Orten, die jeweils Düsseldorf mit Kamerun und Dschang mit Deutschland verbinden. Eine Erweiterung ist geplant.