Deutsche Ausbildungsstätten

Was verbindet Dschang mit Deutschland?

1909 errichtete die deutsche Kolonialverwaltung in Dschang eine Ackerbauschule und eine Viehzuchtstation, die von den Söhnen einflussreicher Familien besucht wurde. Die Gründung der Universität Dschang 1993 knüpfte an diesen Bildungs- und Forschungsstandort der Kolonialzeit an.


Dschang ist heute geprägt von den Studierenden der Universität Dschang. Die Geschichte dieser Universität geht bis in die deutsche Kolonialzeit zurück. Ab 1907 war Dschang von Fontem ausgehend ein Stationsstandort des deutsch-kolonialen Kamerun geworden. Die Landschaft und das Klima erinnerten die Deutschen – wie in Buea am Kamerunberg – an das Allgäu. Bereits 1909 wurden in Dschang eine Ackerbauschule und eine Viehzuchtstation gegründet.

1911 verkaufte die Dorfschaft Bafou-Fondong (Djutitsa) 4500 Hektar Land an die deutsche Station Dschang für die Viehzuchtstation. Die Viehposten in Djutitsa bestanden zu diesem Zeitpunkt aus drei bis vier Vorwerken und bis zu 150 Stück starken Rinderherden. Zweck war die Fleisch-, Milch- und Käselieferung für die Küste und das Hochland. Ein Senner aus Bayern sollte das Wissen aus der Almwirtschaft übertragen. Ein Augenmerk lag auf dem Pflügen.

Die landwirtschaftliche Produktion in der Gegend von Dschang funktionierte jedoch gut und es gab aus Sicht der Einwohner keine Notwendigkeit einer Veränderung. Auf Großvieh spezialisierte Personen lebten im nördlich angrenzenden Gebiet. Fleisch war in ausreichendem Maß vorhanden. Das Pflügen und die deutsche Großviehhaltung haben sich nicht durchgesetzt. Neuerungen der deutschen Ackerbauschule und Viehzuchtstation, etwa Feldfrüchte wie die Kartoffel und Schweinefleisch, gelten hingegen heute als typisch für Dschang. Es gab ein großes Interesse an der Ackerbauschule und sie wurde von den Söhnen der Reichen gerne besucht – in welchem Verhältnis sie zur Schule der katholischen Mission stand, ist noch nicht klar.

1922 übernahmen die Franzosen die Viehzuchtstation und betrieben sie weiter als „Compagnie Pastorale Africaine“. Die einheimische Bevölkerung wollte nach dem Weggang der Deutschen ihr Land wieder in Besitz nehmen. In den 1960er Jahren im Rahmen der Befreiungsbewegungen gab es auch Eroberungsversuche. Ein Teil des Landes konnte 1970 von einigen Eliten der Ortschaft zurückgekauft werden. 1977 vergab die kamerunische Regierung einen anderen Teil der deutschen Viehzuchtstation an die staatliche Tee-Plantagengesellschaft „Cameroon Development Cooperation“ (CDC). Um die Erzeugnisse des Obst- und Gartenbaus in der Region zu fördern und die wachsende städtische Bevölkerung zu ernähren, gründete das kamerunischen Agrarministerium 1973 auf der restlichen Fläche der 4500 ha ein Experimentierzentrum für Samen, das „Centre d’experimentation et d’instruction pour la production des semences“ (CEIPS). Die Ruinen der alten deutschen Viehzuchtstation sind heute noch zu sehen. Die Tee-Plantage und die Viehzuchtfirma (EPA) existieren bis heute und werden mit den Deutschen assoziiert.

Die Ackerbauschule in Dschang führte die französische Verwaltung als Handwerkerschule fort. Nach der Unabhängigkeit wurde sie vom kamerunischen Staat weiter betrieben und 1993 zur Universität von Dschang erweitert. Die Universitäten Düsseldorf und Dschang forschen im Rahmen einer Institutspartnerschaft seit 2015 gemeinsam zur deutsch-kamerunischen Kolonialgeschichte.

Stefanie Michels/Albert Gouaffo

History of the Cameroon (PDF)
Djutitza (PDF)
Landverkäufe im Bezirk Dschang (PDF)

Die Anfänge der heutigen Universität Dschang. Interview, Centre Climatique, Dschang, 05.08.2016

Wer besuchte die deutsche Schule in Dschang? Interview, Centre Climatique, Dschang, 05.08.2016