Deutsches Gefängnis

Was verbindet Dschang mit Deutschland?

1910 kamen 93 Nama aus Deutsch-Südwestafrika ins Gefängnis nach Dschang. Viele starben dort. 1913 wurden die Überlebenden auch auf Intervention der Rheinischen Mission nach Südwestafrika gebracht – weiterhin als Inhaftierte.


1907 wurde die deutsche Militärstation von Fontem nach Dschang verlegt. Grund für die Entscheidung war der Bau der Eisenbahn von Duala ins Inland und die geplante militärische Unterwerfung des Gebietes östlich von Dschang, aus dem Arbeiter zwangsrekrutiert werden sollten. Ab 1908 begannen von Dschang aus Militäraktionen, z.B. mit Fotang I, Fotabang und Bandunja. Stationschef der Militärstation Dschang wurde Oberleutnant Rausch. Als Dschang 1912 zivile Regierungsstation und ab 1913 Bezirksamt wurde, übernahm der nun aus dem Militär ausgeschiedene Rausch diesen Posten. Von 1909 bis 1910 wurde das ehemalige Sperrgebiet im Osten in einem rücksichtslosen und flächendeckenden Kriegszug terrorisiert. Hapi I. von Bana wurde zu einem Alliierten der Deutschen und in Bana eine weitere Militärstation eröffnet. Auch die Basler Mission begann in der Folge in Bana zu arbeiten.

1910 wurden aus Südwestafrika deportierte Nama in Dschang ins Internierungsgefängnis geschickt. Es handelt sich hierbei um eine komplexe Geschichte, die im Zusammenhang mit dem Kampf der Herero und Nama gegen die Deutschen in DSWA (1904-1908) steht. 93 Nama (26 Männer, 40 Frauen und 27 Kinder) wurden ohne Gerichtsurteil zunächst nach Duala deportiert, bis 1912 überlebte nur ein Drittel von ihnen. Sie kamen nach Dschang, da die klimatischen Bedingungen dort etwas besser für sie eingeschätzt wurden als im tropischen Kamerun, wo viele an klimabedingten Krankheiten (Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung) gestorben waren.

Allerdings scheint auch gezielte Vernachlässigung der Fall gewesen zu sein. Über ein unmittelbar nach der Ankunft verstorbenes Mädchen heißt es, der mangelnde Ernährungszustand sei der Grund gewesen. Außerdem fehlte es an ausreichender Kleidung. Ein Grund für die Verlegung nach Dschang war auch, dass sie in Duala bei der Schutztruppe im Lazarett untergebracht wurden und nach den Krankheits- und Todesfällen andere Nahrung bekamen, v.a. mehr Fleisch. Sie bekamen nun wohl größere Fleischrationen als die Soldaten der Kolonialtruppe, was zu Unmut führte. Ein Kritiker dieser Maßnahme war die Rheinische Mission, die 1913 erreichte, dass die überlebenden 37 Personen nach Deutsch-Südwestafrika zurückkehren konnten, wo sie allerdings noch bis zur Eroberung im Ersten Weltkrieg durch Südafrika inhaftiert blieben.

Im Januar 1915 wurde Dschang von aus Nigeria kommenden britischen Verbänden erobert, Rausch war bereits beim Gefecht in Nsanakang an der britischen Grenze gefallen. Der Erste Weltkrieg brachte die bestehenden und unter der Oberfläche gehaltenen Konflikte wieder hervor. Im Kampfgebiet und auch in Dschang wurden einflussreiche Persönlichkeiten hingerichtet, von denen die Deutschen vermuteten, sie würden mit den Briten kooperieren, so auch Nelo von Foto.

Stefanie Michels

Les origines de l´église (PDF)
Halbjahresbericht Militärstation Dschang (PDF)

Koloniale Bauwerke in Dschang – Das Gefängnis. Interview, Centre Climatique, Dschang, 05.08.2016