Katholische Kirche

Was verbindet Dschang mit Deutschland?

Die heutige katholische Kirche „Sacré-Coeur“ in Dschang ist ein lebendiger Begegnungsort für Menschen in Dschang. 1910 gründeten die katholischen Pallottiner eine Missionsstation sowie eine Schule und Werkstätten in Dschang. 1914 diskutierten Schüler die Möglichkeit der Unabhängigkeit Kameruns und widersetzten sich den Anordnungen ihrer deutschen Lehrer.


Gegründet wurde die Kirche Sacré-Cœur in Dschang von der Pallottiner Mission 1910. Ab 1889 waren die katholischen Pallottiner mit Sitz in Limburg/Lahn für die Mission in Kamerun zugelassen. Ab 1910 expandierten sie ins Grasland und gründeten in Dschang eine Station. Ein Jahr später kamen auch weibliche Missionarinnen hinzu. 1913 hatten sie in Dschang 122 Menschen getauft und eine Missionsschule gegründet, die 120 Jungen und 80 Mädchen aufnahm. Im Juni 1914 kam es in den beiden oberen Klassen der Schule zu einer offenen Politisierung und Infragestellung der kolonialen Herrschaft der Deutschen in Kamerun. Schüler und Lehrer bezogen sich auf die Eskalation des Landkonfliktes in Duala, bei dem sich die Duala gegen ihre Zwangsenteignung wehrten und ihr politischer Sprecher, Rudolf Duala Manga Bell, inhaftiert worden war. Menschen in Kamerun stellten 1914 also innerhalb der von Europäern initiierten Strukturen dieselben in Frage. Neben dem Landkonflikt wurde gefragt, was mit den von den Kamerunern erhobenen Steuern geschähe und warum die Kameruner den Weißen gehorchen sollten.

Die katholische Kirche ist bis heute ein lebendiger Begegnungspunkt für die Einwohner Dschangs. Dass die Kirche von deutschen Missionaren gegründet wurde, ist vielen bekannt. Die Pastoren und Katechisten verfügen über detailliertes Wissen zur Gründungsgeschichte ihrer Kirche und den dazugehörigen Werkstätten. Die Pallottiner sind weiterhin als Missionare und Erbauer von Schulen in Kamerun und weltweit unterwegs, auch in der Diözese Bafoussam, der die Pfarrei in Dschang unterstellt ist.

In Düsseldorf wird in vielen Kirchen der Missionsgedanke bis heute weitergetragen. Eine offizielle direkte Verbindung ins kamerunische Grasland existiert nicht. Die evangelische Landeskirche im Rheinland hat 2004 in Düsseldorf neben dem Kolonialkriegerdenkmal am Frankenplatz eine Gedenktafel aufgestellt, die auch die Rolle der Mission während der Kolonialzeit kritisch reflektiert.

Stefanie Michels

La naissance du Cameroun (PDF)
Die Duala und die Kolonialmacht (PDF)
Chronik der Mission in Dschang (PDF)

Deutsche Spuren in Dschang. Interview, Vorplatz Katholische Kirche, Dschang, 31.07.2016