Kolonialbewegung in Düsseldorf

Was verbindet Düsseldorf mit Kamerun?

1881 wurde in der Düsseldorfer Tonhalle der erste Verein Deutschlands gegründet, der das Wort „Kolonisation“ im Titel führte. Bis in die 1940er Jahre fanden in der Tonhalle Vorträge, Feste und Kongresse zu kolonialen Themen statt. 1892 sprach Zintgraff über Kamerun.


1881 gründete sich in der Düsseldorfer Tonhalle der erste Verein in Deutschland, der das Wort „Kolonisation“ im Titel trug: „Der Westdeutsche Verein für Kolonisation und Export“ (WVKE). Die Hauptinitiative ging von der rheinischen Mission in Barmen (Friedrich Fabri) und der rheinischen Industrie aus. 1888 vereinigte sich der WVKE mit zwei anderen Kolonialvereinen zur Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG), die bis in die NS-Zeit das Sprachrohr kolonialer Interessen in Deutschland blieb. 1890 wurde in Düsseldorf eine Ortsabteilung gegründet. Einflussreiche Düsseldorfer, wie die Familie Poensgen, waren hieran beteiligt. Die DKG wendete sich besonders an ein bürgerliches Publikum zur Verbreitung des kolonialen Gedankens und lud zu Vorträgen und Lichtbild- sowie Filmvorführungen ein. Vorträge und Ausstellungen fanden meist in der Städtischen Tonhalle oder im Festsaal des Breidenbacher Hofes statt. Alle deutschen Kolonien waren Gegenstand dieser Vorträge, darunter auch oft Kamerun. 1892 war Eugen Zintgraff in den Breidenbacher Hof geladen und berichtete über „Die derzeitigen Zustände in Nord-Kamerun“. Nach dem Vortrag gab es musische Aufführungen und Tanz zu Ehren von Zintgraff. Auch auf wissenschaftlichen Kongressen in Düsseldorf waren koloniale Themen präsent.

1926 hielt der Kölner Geografieprofessor Franz Thorbecke auf der Tagung der „Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte“ in der Tonhalle einen Vortrag über das Tropenklima. Er konzentrierte sich auf das Inselbergphänomen im „inneren Hochland Kameruns“.

Marie Pauline und Franz Thorbecke waren von 1911-1913 auf einer von der Deutschen Kolonialgesellschaft maßgeblich finanzierten Forschungsreise in Kamerun. Sie verbrachten mehrere Tage in Dschang in der Raststation bei Foto, wo sie auf der Militärstation Soldaten und Träger anwarben, die Viehzuchtstation besuchten, Objekte kauften sowie Fotografien und Lautaufnahmen anfertigten. Diese Dinge befinden sich heute an vielen Orten in Deutschland: die Fotografien in Köln, die Objekte mehrheitlich in Mannheim, die Lautaufnahmen in Berlin.
Auf der ebenfalls 1926 stattgefundenen „Großen Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ waren koloniale Themen prominent platziert. Zwar wurde Kamerun thematisiert, es dominierten jedoch der vermeintliche militärische Erfolg in Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg und die Kolonialmedizin.
Nach Unterbrechung während der französischen Besatzungszeit wurde 1930 die Ortsabteilung der DKG in Düsseldorf wiedergegründet und erstarkte. 1934 veranstaltete der „Frauenverein vom Roten Kreuze“ in der neuen Tonhalle ein Kolonialfest, die Stadt Düsseldorf übernahm 1935 in einer feierlichen Zeremonie das Kolonialkriegerdenkmal am Frankenplatz, ein Kolonialviertel entstand 1937 in Urdenbach. Josef Mambingo, ein in Kamerun geborener Düsseldorfer, hatte Kontakte zur Kolonialbewegung in Deutschland. 1934 trat er auf dem Kolonialfest in Bremen in der Uniform eines Askaris der ehemaligen Kolonialtruppe Deutsch-Ostafrikas auf.

Stefanie Michels

Strecker an Abel (PDF)
Koloniale Begeisterung im Rheinland (PDF)
Bedarf Deutschland der Colonien (PDF)

Zur Sichtbarkeit der deutsch-kamerunischen Verbindungen in Düsseldorf. Interview, Urdenbacher Acker, Düsseldorf, Juni 2016

Deutsch-kamerunische Geschichte im deutschen Schulunterricht. Interview, Comenius Gymnasium, Düsseldorf, 23.06.2016