Eugen Zintgraff: ein Düsseldorfer in Kamerun

Was verbindet Dschang mit Deutschland?

Eugen Zintgraff (1858-1897) reiste zwischen 1885 und 1896 mehrfach nach Kamerun – von der Küste bis in die Sahelgebiete. Als erster Europäer kam er ins kamerunische Grasland und gründete dort die Station Baliburg, die 1895 wieder aufgegeben wurde. 1900 wurde eine deutsche Militärstation in Fontem errichtet und 1907 nach Dschang verlegt.


Im Stadtführer von Dschang wird Eugen Zintgraff (1858-1897) als erster Deutscher in der Gegend hervorgehoben. Der gebürtige Düsseldorfer reiste von 1888-1889 von der kamerunischen Küste über das Waldland und Bali weiter ins Sahelgebiet und zurück an die Küste. Nach Bali kehrte er 1890 zurück.

Die Bali waren Teil der expansiven Chamba-Migration aus dem Norden. Aus Dschang waren sie um 1830 noch militärisch vertrieben worden. Bei Djutitsa fiel ihr Oberhaupt Gawolbe. Die Regentin Nanyonga und ihr Sohn Fonyonga I. führten die kriegerische Migration im Grasland gen Südwesten fort. Sie nahmen dabei viele neue Personen in ihren Verband auf. Andere Gruppen trennten sich ab. Unter Fon Galega I. (1857-1901) ließen sie sich um 1870 im heutigen Bali nieder und bauten Handelsnetzwerke ins Waldland auf. 1889 kam Zintgraff nach Gefechten im Waldland nach Bali. Galega und seine Ratgeber sahen in der Expedition Zintgraffs und seinen bewaffneten Männern, die aus Liberia stammten, die Chance, ihre hegemonialen Ziele im Grasland zu verwirklichen. Er ließ für Zintgraff bei sich eine Station erbauen, die Zintgraff „Baliburg“ nannte. Zintgraff und Galega schlossen bereits 1889 Blutsbrüderschaft, 1891 kam ein schriftlicher Vertrag hinzu. Die beiden gingen gemeinsam militärisch gegen benachbarte politische Verbände vor – es fielen gut 2000 Personen, darunter vier Europäer. Bali wurde dadurch gestärkt. Deutschland – unter Billigung des Gouverneurs von Soden – ließ in Bali Soldaten ausbilden und bewaffnen. Zintgraffs Plan, das kamerunische Grasland durch Galega für die Deutschen zu kolonisieren, fand ein temporäres Ende, als 1895 die Station Baliburg aufgehoben wurde. Zintgraff hatte bereits 1893 den Dienst quittiert.
Kurz vorher hatte er in Düsseldorf einen von der Deutschen Kolonialgesellschaft organisierten Vortrag gehalten.

Mit der maßgeblich von rheinischen Investoren gegründeten Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria (WAPV) gelang ihm die privatwirtschaftliche Rückkehr nach Kamerun. 1896 nutzte er erneut seine Kontakte zu Galega I. und rekrutierte in Bali Arbeitskräfte für die Plantagen der WAPV an der Küste – dem Beispiel folgte die WAPV an anderen Orten im Grasland, z.B. in Fontem.
Die meisten Bewohner Balis können heute Geschichten über Zintgraff erzählen. Im Palast von Bali ist sein Name unter der Statue von Galega I. eingraviert. In der Geschichtsschreibung, Literatur und im Fernsehen hat „Zintgraff and the Battle of Mankon“ einen festen Platz.

Das Stadtarchiv in Düsseldorf führt Eugen Zintgraff als einen wichtigen Einwohner Düsseldorfs. Eine öffentliche Erinnerung, z.B. an seinem Geburtshaus in der Grabenstraße, gibt es nicht, jedoch ist eine Straße in Düsseldorf nach dem ihn unterstützenden Gouverneur von Soden benannt. In Archiven, Bibliotheken und den Depots von Museen finden sich Verweise auf Zintgraff und seine Zeit in Kamerun.

Im kamerunischen Grasland leben und arbeiten heute wenige Menschen aus Düsseldorf, umgekehrt steigt die Zahl der Kameruner/innen in Düsseldorf und dem Rheinland an. Zurzeit studieren an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mehrere hundert Studierende aus Kamerun, die auch die Association des Camerounais de Düsseldorf (ACD) gründeten.

Stefanie Michels / Richard Tsogang Fossi

Destination Dschang (PDF)
The White Man of God (PDF)
Nord Kamerun (PDF)

Keine Audiodatei vorhanden.