Conrau in Fontem († 1899)

Was verbindet Dschang mit Deutschland?

Der Händler Gustav Conrau rekrutierte Arbeitskräfte für die von Zintgraff gegründeten Plantagen. In Fontem hielt er aus Sicht des Königs Asunganyi die Absprachen nicht ein. Conrau bezahlte mit seinem Leben. Die deutsche Kolonialverwaltung antwortete mit Vergeltungsangriffen und der Errichtung einer Militärstation in Fontem.


Bevor die deutsche Station 1907 nach Dschang verlegt wurde, befand sie sich in Fontem. Beide Orte waren bereits vorher über überregionale Handelsrouten und soziale Beziehungen verbunden. Der erste direkte Kontakt zwischen einem Deutschen und Einwohnern aus Fontem fand wahrscheinlich 1897 statt: Fon Asunganyi begrüßte den deutschen Gustav Conrau. Conrau erkundete das Grasland zunächst ohne offiziellen deutschen Auftrag. Er war bereits 1891 im Auftrag der deutschen Handelsgesellschaft Jantzen und Thormählen mit Zintgraff in Bali gewesen. Er war in der Folge selbständig für verschiedene Auftraggeber tätig: für die Konzessionsgesellschaft Nordwestkamerun, als Elefantenjäger sowie als Sammler für das Völkerkundemuseum in Berlin. Für die von Zintgraff 1898 gegründete Westafrikanische Pflanzungsgesellschaft an der Küste war er auf der Suche nach Arbeitskräften. Mit Fon Galega aus Bali bestanden bereits Abmachungen. Wie Galega sah auch Asunganyi in der deutschen Präsenz eine Ressource, um seine Macht auszubauen. Er gab Conrau 66 Träger mit zur Küste und erwartete deren Rückkehr. Conrau kehrte 1899 jedoch ohne diese Männer nach Fontem zurück. Asunganyi hatte gehört, dass die Männer gestorben wären. Conrau jedoch wollte erneut Männer rekrutieren und Kunstwerke erwerben. Er wurde von Asunganyi als Geisel genommen, bis die Männer zurückkehren würden. Conrau versuchte zu fliehen und fand auf der Flucht seinen Tod.

Für die Region um Fontem und Dschang war dieses Ereignis ein historischer Wendepunkt: die deutsche Kolonialverwaltung setzte nun über Jahre ihre militärische Macht ein, um die Könige der Gegend dazu zu zwingen, die deutsche Herrschaft anzuerkennen. Zwischen 1900 und 1903 wurden die Dörfer zerstört, Vieh geraubt oder getötet, Strafzahlungen von Elfenbein und Stellung von Zwangsarbeitern verlangt und in Fontem eine deutsche Militärstation gegründet. Am 8. April 1903 kamen in Fontem 28 Könige der Gegend zusammen, um die deutsche Oberherrschaft anzuerkennen, hierunter auch der König aus Foto in Dschang. Asunganyi und der König von Foréké Chacha fehlten. In Fontem wird heute erzählt, dass Asunganyi sich an einem bis heute geheim gehaltenen Ort versteckte und neun Jahre mit den Deutschen Krieg führte. 1911 stellte er sich und wurde in den Norden Kameruns exiliert. Nachdem die Deutschen abgezogen waren, übernahm er die Position jedoch wieder bis zu seinem Tode 1950. In Fontem lebt die Geschichte von Magi Kuana (Gustav Conrau), der die Männer nicht zurückbrachte und sich auf der Flucht selbst erschoss, bis heute fort. Im internationalen Raum sind Bangwa und Conrau durch die Kunstwerke bekannt geworden, die Conrau aus Bangwa mit nach Deutschland brachte und die mittlerweile in Museen in aller Welt ausgestellt werden.

Stefanie Michels

A History of the Cameroon (PDF)
Les origines de l‘église (PDF)
Mit Pinsel und Palette (PDF)

Conrau und Fontem Asunganyi. Interview, Palace Fontem, 02.08.2016