Woermann – Handelshaus in Kamerun

Was verbindet Düsseldorf mit Kamerun?

Das hamburgische Handelshaus C. Woermann trieb seit 1868 Handel mit Kamerun und beteiligte sich – durch die Person Adolph Woermanns (1847-1911) – maßgeblich an den Kolonialplänen und der Kolonialpolitik Deutschlands. Seit 1936 ist in Düsseldorf eine Straße nach Woermann benannt.


Adolph Woermann aus Hamburg übernahm von seinem Vater Carl Woermann ein Kaufmannsunternehmen. In den 1860er Jahren besaß die Firma Handelsniederlassungen an der kamerunischen Küste, ab 1868 in Douala. Auf Bitte des Außenministeriums machte die Hamburger Handelskammer am 6. Juli 1883 Vorschläge für eine deutsche Afrikapolitik. Begeistert von der positiven Reaktion der Reichsregierung schickte Adolph Woermann am 30. April 1883 im Namen der Hamburger Handelskammer eine Denkschrift nach Berlin, in deren Mittelpunkt die „Erwerbung eines Küstenstückes in West-Afrika zur Gründung einer Handelskolonie“ stand.

Ein paar Wochen später wurde das Protektorat über Togo proklamiert. Am 11. Juli 1884 schlossen Emil Schulze, der deutsche Konsul und Vertreter des Handelshauses Woermann in Gabun, Eduard Schmidt, der Konsul und Vertreter der Firma Woermann in Kamerun und Eduard Woermann, der jüngste der Gebrüder Woermann, der auf einer Erkundungsreise war, einen Vertrag mit lokalen Autoritäten in Bimbia. Am 12. Juli 1884 unterzeichneten King Bell und King Akwa den Deutsch-Duala-Vertrag, in dem sie ihre Souveränität teilweise auf die Kaufleute übertrugen. Sie hatten sich aber die Sicherung umfangreicher Rechte bezüglich ihrer inneren Angelegenheiten, ihrer Landrechte und ihres Handelsmonopols schriftlich bestätigen lassen. Am 14. Juli ließ Gustav Nachtigal die deutsche Flagge in Kamerun hissen.

Der Tag ist in die Geschichtsbücher als Geburtsstunde der deutschen Kolonie Kamerun eingegangen. Die Schiffe des Handelshauses wurden 1885 in die „Deutsche Dampfschifffahrtsgesellschaft“ ausgegliedert. Sie richtete feste Schifffahrtsverbindungen zwischen Deutschland und Afrika ein, die auch von Afrikaner/innen genutzt wurden. Die Idee, dass die Kaufleute selbst die Verwaltung besorgten, scheiterte in Kamerun unmittelbar. Bereits 1885 wurde ein von Deutschland bezahlter Gouverneur – Julius von Soden – entsandt. Die folgenden Erkundungen und Eroberungen des Hinterlandes, die auch den Düsseldorfer Eugen Zintgraff ab 1889 ins kamerunische Grasland führten, wurden vom deutschen Staat finanziert.

In Düsseldorf ist seit 1936 eine Straße nach Woermann benannt. Bereits zeitgenössisch kam er durch seine Beteiligung an den Truppentransporten für den Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1904 in Verruf. Das Handelshaus C. Woermann mit Sitz in Hamburg wirbt heute mit folgendem Slogan: „Mit technischem Know-how in Afrika zuhause. Seit 1837“. In Kamerun sind sie nicht mehr aktiv. 2007 verklagten Vertreter der Herero die „Deutsche Afrika-Linien“, den Rechtsnachfolger der „Deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaft“, vor einem Gericht in den USA auf Schadensersatz wegen des Einsatzes von Zwangsarbeit im Jahr 1904. Die Klage wurde wegen Nichtzuständigkeit nicht verhandelt. In Kamerun ist der Name Woermann untrennbar mit der Errichtung der deutschen Kolonie verbunden.

Omer Lemerre Tadaha / Stefanie Michels

Straßenbenennungen 1935-1937 (PDF)
Initiative Neue Namen (PDF)

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Ein Passant in der Woermannstraße. Interview, Woermannstraße, Düsseldorf, 13.05.2016