Tiere aus Kamerun im Zoo

Was verbindet Düsseldorf mit Kamerun?

Kamerunische Jäger fingen Tiere für den Düsseldorfer Zoo – Vertreter des Zoos reisten 1936 nach Kamerun, um die Tiere zu verschiffen. Menschen aus Kamerun traten 1938 auf einer Kolonialschau im Zirkus auf.


Der Düsseldorfer Zoo stellte seit den 1880er Jahren Tiere aus Afrika aus. Für die NS-Ausstellung „Schaffendes Volk“ hatten der Zoo und das Löbbecke-Museum eine „Kolonialschau“ vorbereitet, in der Kamerun im Mittelpunkt stand. Tiere, Pflanzen und Menschen aus Kamerun sowie Techniken deutscher Kolonialwirtschaft sollte das Düsseldorfer Publikum hautnah erleben können. Im Oktober 1936 brachen der Direktor des Löbbecke-Museums, Dr. Horst Sieloff, der Arzt Dr. Paul Kuliga und der Maler Ari W. Kampf nach Kamerun in die Region um Victoria (heutige Bezeichnung Limbé) auf, um Tiere, Pflanzen und Objekte zu sammeln. Ihre Reise führte sie ins britische Mandatsgebiet Kamerun, das manchmal informell als „deutsche Kolonie“ bezeichnet wurde. Denn die Briten hatten hunderten deutschen Plantagenmanagern und -assistenten gestattet, die deutschen Plantagen weiter zu betreiben, auch die von Eugen Zintgraff gegründete Westafrikanische Pflanzungsgesellschaft Victoria (WAPV). Die Deutschen in Kamerun unterstützten die Düsseldorfer Delegation bei der Organisation ihrer Reise sowie beim Sammeln. Für den Tierfang beauftragten die Düsseldorfer erfahrene kamerunische Jäger. Diese fingen zehn Affen für das neu erbaute Affenhaus des Düsseldorfer Zoos, verschiedene Vögel sowie Reptilien und kleinere Tiere, wie Antilopen und Ratten.

Für die „Kolonialschau“ brachte das Trio 30 Kisten und Koffer aus Kamerun nach Düsseldorf, in denen sie Pflanzen für das Löbbecke-Museum und Objekte transportierten. Matten, Schnitzereien, Schmuck und auch ein ganzes Haus wurden 1937 im Düsseldorfer Zoo aufgebaut. Vor dieser Kulisse führten über ein Dutzend Afrikaner/innen Freilichtspiele auf, die ein vermeintlich typisch afrikanisches Leben darstellen sollten. Zur gleichen Zeit war der gelernte Zimmermann Josef Mambingo aus Kamerun im Zoo festangestellt. Die Kolonialschau 1937 zeigte außerdem Objekte, die die Produktion von Bananen, Palmöl, Gummi und Kakao auf den deutschen Plantagen in Kamerun dokumentierten. Die rheinische Landeszeitung schrieb, die Arbeit der deutschen Pflanzer lege „beredtes Zeugnis ab […] von den kolonisatorischen Fähigkeiten der Deutschen“. Der Düsseldorfer Zoo zeigte von 1876 und bis zu seiner Zerstörung 1944 zahlreiche Freilichtspiele, bei denen Menschen, die auf Düsseldorfer „fremd“ oder „exotisch“ wirken konnten, auftraten. Ähnliche Schauen fanden in Zirkusvorstellungen statt: 1938 trat im Zirkus Krone in Düsseldorf eine Gruppe von Kamerunern auf.

Caroline Authaler

Grundbesitz Landkonflikte kolonialer Wandel (PDF)
Kleine Abenteuer im großen Afrika (PDF)

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Ein Passant im Zoopark. Interview, Zoopark, Düsseldorf, 16.05.2016

Gibt es Kamerun heute noch? Interview, Zoopark, Düsseldorf, 16.05.2016